NEWS: «automation & electronics» misst den Grad der Digitalisierung in der Industrie

Viele Firmen beschäftigen sich damit, wie sie Daten aus intelligenten Netzwerken effizient und sicher verwalten sollen. Für ihre Zulieferer bedeutet das, dass sie zusätzlich Lösungen für die IT-Sicherheit entwickeln müssen. An der automation & electronics 2019 vom 5. und 6. Juni in Zürich zeigen Experten, wie sie diese und weitere Herausforderungen der Digitalisierung meistern.



Wenn die Digitalisierung in Unternehmen Form annimmt, werden neue Herausforderungen konkret. Das zeigt sich auch an der automation & electronics 2019: Besonders die Frage nach der Sicherheit der Daten, die vernetzte Anlagen und Maschinen erzeugen, beschäftigt die befragten Aussteller derzeit stark. In manchen Betrieben kümmert sich bereits ein Chief Digital Officer um diese Themen. In den meisten Firmen aber ist keine spezielle Stelle im Hinblick auf die Digitalisierung vorgesehen.


«Viele KMU stehen noch am Anfang in Bezug auf die Aufgabe, Daten einfach und schnell weiterzuverarbeiten», sagt Paolo Salvagno, Geschäftsführer von B&R Industrie-Automation AG. Das Unternehmen stellt unter anderem Industrie-Steuerungen her, was heute eben auch den Transport der Daten beinhaltet. «Wir bieten die Infrastruktur und die Software-Funktionen, damit die gesammelten Daten schnell und einfach einer Cloud zugeführt und verwertet werden können», so Salvagno.


Kunden wünschen Gesamtlösungen


Im Gespräch mit Kunden kristallisierten sich oft dieselben Fragen heraus. Unternehmen fragten sich, wie die Daten auf die Cloud gelangten und wo diese genau platziert sei. Salvagno spricht vor einer gewissen Furcht vor Datenmissbrauch. Entscheidend für die Sicherheit der Daten seien die Software-Codes auf der Steuerung. «Unsere Codes sind extrem gut verschlüsselt, da bekommt ein Hacker keinen direkten Zugriff auf die Steuerung». Auf der Cloud-Ebene hingegen arbeiteten sehr viele Mechanismen, die B&R täglichen Sicherheitstests unterziehe. «Das ist ein Teil der Entwicklung, die dazu führt, dass sich die Mechanismen immer weiter verbessern.»


Die Kunden erwarten heute von einem Steuerungsanbieter, dass er eine Lösung bereitstellt, die Sicherheit im gesamten Prozess garantiert - diese Erfahrung macht auch Beat Meili, Geschäftsführer der Sigmatek Schweiz AG. «Der Anbieter muss sicher die Bereiche von der Steuerung bis hin zur Cloud abdecken», sagt er. Die nötige Sicherheit schafft man bei Sigmatek durch die Kombination von VPN-Tunneling mit SSL-Verschlüsselung. Das heisst, das Unternehmen stellt eine sichere Verbindung zur Cloud zur Verfügung. Und die Cloud selber kann sich innerhalb der Maschine, des Gebäudes oder auch extern befinden. Die Verantwortung für die Sicherheit liegt dabei auch beim Partner, der die Cloud betreibt. «Er muss verlässlich sein und professionell arbeiten.»


Feste Standards erfordern Investitionen


Bestehende Sicherheitsstandards wie OPCU oder MQTT und neue sollen dafür sorgen, dass Begriffe wie Verlässlichkeit für alle Seiten verbindlich festgelegt sind. Die Richtlinien seien gesetzt, sind sich Meili und Salvagno einig. Nun gehe es an die Umsetzung. «Dabei ist entscheidend, wie schnell die jeweiligen Hersteller ihre Produkte lancieren», sagt Salvagno.


Schnelligkeit wird auch vom verfügbaren Datennetz vorausgesetzt. Für den von B&R eingesetzten Standard OPCU TSN ist eine Gigabit-Infrastruktur nötig. Sicherheit ist damit noch eine klare Preisfrage. «Am Anfang werden die Kosten dafür noch nicht dort sein, wo wir sie uns vorstellen», sagt Salvagno. «Aber wir erwarten da natürlich einen Skaleneffekt». Bei B&R geht man davon aus, dass am Anfang der Entwicklung einzelne Anlagelinien betrieben und dann schrittweise alle Ebenen angeschlossen sein werden. «Bereits jetzt sind Produkte erhältlich, die mittels Secure Remote Maintenance sichere Datenverbindungen herstellen.»


Safety-Steuerung: Der Markt hat sich gewandelt


Neben den Daten gilt es auch die Steuerungstechnik selbst abzusichern. Der Begriff Safety-Steuerung ist gerade in der Automation, wo die Standards sehr hoch sind, seit längerem etabliert. B&R etwa bietet inzwischen seit über zehn Jahren verschiedene Lösungen mit digitalen oder analogen Eingängen und sicherer Robotikfunktion an. Auch hier haben Anbieter von Steuerungen sich der Entwicklung angepasst und die Sicherheitsfrage aufgenommen. «Ursprünglich waren die Herstellung von Standardsteuerungen und Safety-Komponenten zwei Welten», sagt Meili. «In den letzten Jahren sind sie beide zusammengewachsen, indem die Hersteller von Steuerungen integrierte Safety-Lösungen umgesetzt haben.»


Diese Lösungen haben den Vorteil, dass Benutzer aus dem geschützten Bereich hinaus über das Bussystem direkt mit der Standardsteuerung kommunizieren können. Das macht unter anderem eine zusätzliche Verdrahtung überflüssig. «Dieser Ansatz ist heute quasi Standard geworden», sagt Meili. «Und aus meiner Sicht geht die Entwicklung dahin, dass Steuerungen grundsätzlich immer sicher sein werden, weil auch die Bauteilpreise dafür gesunken sind.»


5G soll die letzte Lücke schliessen


Eine weitere Herausforderung, um Daten sicher zu transportieren, ist die verfügbare Bandbreite und damit die Einführung von 5G. Beim Produzenten von Spezialgehäusen Phoenix Mecano Komponenten AG sei man gespannt auf die Produkte und Dienstleistungen, die daraus entstehen, sagt Marketingleiterin Tamara Dickel. Die Konsequenzen könne man nicht im Detail absehen. «Nur schon auf das Einkaufsverhalten bezogen wird es interessant sein, was diese Entwicklung bringt.» Das Unternehmen bereite sich nicht mit einer speziellen Massnahme einfach auf grössere Datenmengen vor, sondern schule die Mitarbeiter, damit sie die Chancen dieses Fortschritts ergreifen könnten.


Bei der Sigmatek Schweiz AG betrachtet man 5G als das fehlende Puzzle-Teil in einem Gesamtbild. «Wir sehen es als Chance, noch die letzte Baustelle in einer modernen Fabrik zu schliessen», sagt Meili. «Heute stehen dort teure, hoch automatisierte Maschinen, aber der Warenfluss wird noch immer von Hand bewerkstelligt.»


Eine Tochterfirma der Sigmatek Schweiz AG befasst sich mit Fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) für die moderne Intralogistik. Eine der Herausforderungen im Zusammenspiel mit den Fahrzeugen sei beispielsweise die Orientierung in den Werkhallen mit Personenverkehr. Von 5G verspreche man sich bei Sigmatek deutlich schnellere Reaktionszeiten und schnelleren Datenaustausch, damit die mobilen Transportsysteme praktisch in Echtzeit über die relevanten Daten verfügen. «Auch die Versuche mit Selbstfahrenden Fahrzeugen in der Schweiz werden massiv von 5G profitieren.»

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